Heuchelei, wohin das Auge schaut

Die Debatte zu pädophilen Strömungen im grün-alternativen Milieu in den 1980er Jahren spitzt sich immer weiter zu. Doch leider wird sie nicht sachlich geführt, Schuld daran hat auch der Wahlkampf. Konservative Politiker*innen und Medien versuchen die Grünen als eine Partei von Pädophilen darzustellen. Ich möchte nun versuchen die Debatte etwas zu versachlichen.

pädophil, pädosexuell, Kindesmissbrauch

Immer wieder geraten Bezeichnungen durcheinander, nicht nur in den Medien, sondern auch bei den Grünen selbst. Pädophilie ist eine sexuelle Störung, die drei Grundlagen hat. Erstens gilt das sexuelle Interesse Kindern vor der Geschlechtsreife (also etwa bis 11 oder 12 Jahren). Zweitens ist das sexuelle Interesse zumindest überwiegend, meistens sogar ausschließlich auf Kinder gerichtet und drittens ist dieses Interesse zeitlich bestehend (also verschwindet nicht einfach wieder). Diese psychische Störung bedeutet nicht, dass diese Personen auch Kinder missbrauchen. Dazu wird hingegen häufig der Begriff Pädosexualität verwendet, dieser beschreibt sexuelle Handlungen mit und an Kindern (also Kindesmissbrauch).

Insgesamt wird geschätzt, dass etwa ein Prozent aller erwachsenen Männer eine pädophile Neigung haben. Bei Frauen ist die Zahl erheblich geringer. Eine ganz wichtige Zahl kann auch die Gefährlichkeit dieser Personen verdeutlichen. Etwa 80 bis 88 Prozent aller Sexualstraftaten an Kindern werden NICHT von Pädophilen begangen, sondern von Menschen mit einer sexuellen Präferenz für Erwachsene.

falsche Liberalität

Die Pädophilie-Bewegung wollte – und will wohl auch noch heute – sexuelle Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen legalisieren. In den 1970er Jahren bekam diese Bewegung einen größeren Zulauf. Im Zuge der Emanzipation der Frauen und den ersten Schritten zur Gleichstellung von Homosexuellen, versuchte eine Gruppe von meist Männern auch ihre sexuelle Präferenz in den Vordergrund zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt versuchte die Pädophilie-Bewegung liberale und radikaldemokratische Organisationen zu unterwandern. Anwaltsvereine und die Jungdemokraten (die damalige Jugendorganisation der FDP) waren sehr offenen für deren Belange. Bis zum Ende der 1970er Jahre bekamen Pädophile immer mehr Einfluss. Mittlerweile setzten sich auch Teile der FDP und verschiedene Wissenschaftler*innen für die Entkriminalisierung von Sexualbeziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern ein.

Dann entstanden die Grünen, sie wollten die konservativen Sexualvorstellungen in der Gesellschaft aufbrechen. Zu der Zeit durften Frauen noch von ihren Ehemännern vergewaltigt und Kinder von ihren Eltern hemmungslos geprügelt werden. Homosexuelle Liebesbeziehungen waren verboten. Gegen alle diese Ungerechtigkeiten gingen die Grünen vor. Dabei verloren sie aber aus dem Auge, dass nicht alle sexuellen Beziehungen gleichberechtigt sein können. Im Überschwang der Freiheit und sexuellen Selbstbestimmung setzen sich die Grünen auch für Pädophile ein. Die Pädo-Aktivist*innen schwärmten für liebevolle, gewaltfreie Liebesbeziehungen, viele Grüne vielen darauf hinein. Bis Mitte und Ende der 1980er Jahre durfte die Pädophilie-Bewegung bei den Grünen mit schwimmen, bis sie endlich meist von Feministinnen verscheucht wurde. Auch der Kinderschutzbund vertrat bis in diese Zeit teilweise pro-pädophile Meinungen.

sexuelle Selbstbestimmung von Kindern

Kinder wurden und werden auch heute noch in ihren Bedürfnissen sehr stark eingeschränkt. In vielen Ländern werden 9jährige Mädchen mit 30 Jahre älteren Männern verheiratet, die sie täglich vergewaltigen. Viele Kinder werden auch heute noch – selbst in der Bundesrepublik – regelmäßig geschlagen. Tausende Väter, Stiefväter oder Onkel vergewaltigen Kinder, ohne dabei pädophil zu sein. Das ist die Realität in diesem Land. Die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern wird von allen Seiten angegriffen. Von denjenigen, die behaupten, dass sie keine hätten und von denjenigen, die die sexuelle Selbstbestimmung der Kinder für ihre eigene Sexualität missbrauchen. Kinder brauchen Selbstbewusstsein, sie müssen über ihren Körper Bescheid wissen, sie sollen auch ihre eigene Sexualität ausleben können. Aber eins muss dabei klipp und klar sein: Kinder und Erwachsene können KEINE gemeinsame Sexualität erleben! Die Machtasymmetrie, ob physisch oder psychisch, macht Kinder immer zu Opfern und Erwachsene zu Tätern!

die Schuld der Grünen

Die Schuld der Grünen liegt darin, dies zu spät erkannt zu haben. Aber dieses Erkenntnis liegt nun bereits 25 Jahre zurück. Seit dem gibt es keine Pädo-Aktivist*innen mehr bei den Grünen. Führende Politiker*innen, die auch schon in den Anfangsjahren bei den Grünen waren, haben sich für die Verfehlungen einzelner und ihre falsche Liberalität ihnen gegenüber entschuldigt. Es liegt bisher keine einzige Anzeige von möglichen Opfern gegen Grüne vor. Die Grünen haben freiwillig Wissenschaftler*innen beauftragt, den Einfluss der Pädophilie-Bewegung zu untersuchen. Und im Gegensatz zu den Kirchen gibt es keine internen Prüfungen und internen Berichte. Alles ist extern und die (Zwischen-)Ergebnisse unabhängig und öffentlich. Die Grünen haben sich zwar für die vermeintlichen Rechte von Pädophilen eingesetzt, jedoch gab es keine grünen Einrichtungen, in denen ein systematischer oder gar massenhafter Missbrauch stattgefunden hat, wie es ihn z.B. in christlichen Heimen gab.

politische Heuchelei

In der politischen Szene gibt es nur eine Fraktion, die gegen die Grünen in dieser Frage hetzt und das sind CSU und CDU. Die FDP hat in dieser Frage ähnlich viel Schuld auf sich geladen, wie die Grünen, deswegen sagen sie zu dem Thema auch gar nichts. Auch SPD und Linke bleiben still. Besonders auffällig ist, dass niemanden die Verwicklungen der FDP zu dieser Zeit so richtig interessiert. Aber die Union braucht die FDP ja auch als Koalitionspartnerin. Insbesondere konservative Medien, wie die BILD, die FAZ, die WELT und der Focus versuchen die Grünen politisch zu vernichten (wie schon so oft). Selbst die alternative taz geht nicht gerade zimperlich mit den Grünen um.

Bei CDU und CSU ist die Aufregung jedoch besonders heuchlerisch. 1997 musste der Rest des Bundestages gegen die Stimmen fast aller Männer in der Union den Straftatbestand der Vergewaltigung auch in der Ehe erzwingen. Aus Sicht der Konservativen durfte ein Ehemann seine Ehefrau zum Sex zwingen. Das Schlagen von Kindern durch ihre Eltern musste sogar erst Rot-Grün verbieten. Der physische, wie sexuelle Missbrauch von Kindern durch Familienangehörige wird auch heute noch von CDU und CSU heruntergespielt. Aus ihrer Sicht missbrauchen ausschließlich Pädophile. Nach dem Wahlkampf könnte die Debatte endlich versachlicht werden. Ende des Jahres haben die Wissenschaftler*innen um Franz Walter ihre Arbeit über die Grünen abgeschlossen. Dann können alle ganz unaufgeregt die Ergebnisse bewerten.

Kinder stärken!

Wir sollten Kinder weiter in ihrer Selbstbestimmung stärken. Nur ein selbstbewusstes Kind kann NEIN sagen. Es braucht mehr Opferberatungen und Sozialarbeiter*innen in Schulen und Kitas. Kinder müssen mehr über ihre Rechte erfahren, insbesondere, dass kein Erwachsener über ihren Körper bestimmen darf! Nie wieder!

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2 Gedanken zu “Heuchelei, wohin das Auge schaut”

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