Leben wie Gott in Deutschland

*Vorabbemerkung: Ich möchte mit meinen Ausführen keine religiösen Menschen beleidigen, auch keine Personen, die in kirchlichen Einrichtungen arbeiten. Meist wird dort eine aufopfernde und gute Arbeit geleistet. Mir geht es um das System Kirche, das ich ganz klar von gläubigen Menschen trenne.

Die Bundesrepublik ist eine säkulare Demokratie. Religion spielt weder im Alltag vieler Menschen, noch in staatlichen Institutionen eine herausgehobene Rolle. Was auf viele Menschen tatsächlich zutrifft, ist beim Staat ganz anders. Die Verstrickungen zwischen Kirche und Staat sind in Deutschland sehr stark. Wir müssen das Mittelalter aber endlich hinter uns lassen!

flickr by rauter25 (CC BY-NC 2.0)

(Was würde er wohl dazu sagen?)

Das goldene Kalb

Kirchen und ihre Einrichtungen kümmern sich um die Armen und Benachteiligten, so ist das Bild in der Öffentlichkeit. Doch die katholische, aber auch die evangelische Kirche sind riesige Unternehmen. Multinationale Konzerne, denen es ausschließlich darum geht ihr Geld und ihre Macht zu vergrößern. Jedes Jahr erheben die beiden Kirchen Kirchensteuer in Höhe von circa 10 Milliarden Euro, jedoch werden die staatlichen Beamt*innen, die diese Gelder einziehen von der Kirche finanziell entschädigt. Also entsteht – bis auf den Menschen, die diese Steuer entrichten müssen – kein weiterer Schaden für die Allgemeinheit.

Ein Bischof bekommt ein gutes Gehalt, etwa 8.000 Euro im Monat, ein Erzbischof sogar 12.000 Euro. Aber dieses Geld zahlt der Staat und nicht die Kirche. Also müssen auch alle Ungläubigen und Andersgläubigen mit zahlen. Aber warum eigentlich? Dies liegt am Reichsdeputationshauptschluss von 1803. Vor 210 Jahren vereinbarten das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und die Kirche, dass der Staat die Kirchen teilweise enteignet, dafür aber eine Entschädigung zahlt. Seitdem zahlt auch die Bundesrepublik ungeheure Summen an die beiden großen Kirchen. Derzeit beträgt diese Summe etwa 500 Millionen Euro im Jahr. Daneben wird noch für viele weitere Belange der Kirchen gezahlt. Kirchentage, für Seelsorge, für Entwicklungshilfeprojekte, für den Erhalt von Kirchen usw. usf. Ein besonders großer Batzen ist die Subventionierung von kirchlichen Schulen und Kindergärten. Wenn man das alles zusammenrechnet, gibt der Staat jedes Jahr 19 Milliarden Euro direkt an die Kirchen. Es gibt aber einen Punkt, der ist gar nicht zu beziffern, wie viele Milliarden dadurch verloren gehen, weiß niemand. Die Kirchen sind von der Gewerbesteuer befreit, da sie ja gemeinnützig sind.

Fremdwort Menschenwürde

Um diese riesigen Subventionen irgendwie zu rechtfertigen, muss den Kirchen ja etwas abverlangt werden. Aber genau das Gegenteil passiert. Kirchliche Einrichtungen müssen sich nicht an allgemeinen Tarifverträgen beteiligen oder gar die Menschenwürde ihrer eigenen Angestellten beachten. Geschiedene können entlassen werden. Homosexuelle können rausgeworfen werden, eine Frage danach wäre in einem „normalen“ Unternehmen schon illegal. Wenn man selbst nicht gläubig ist, wird man gar nicht erst angestellt (es gibt auch Ausnahmen). Menschen, die in kirchlichen Einrichtungen arbeiten, haben es deutlich schwerer. Sie haben weniger Mitbestimmungsrechte, können weniger verdienen und ihre Privatsphäre wird deutlich eingeschränkt und das alles, obwohl der Staat fast alles zahlt. Darüber hinaus wurden und werden in christlichen Anstalten 1-Euro-Jobber*innen beschäftigt, Zivis oder heute Buftis arbeiten dort für noch geringere Löhne. Katholische und evangelische Kirchen sind nicht nur Unternehmen, sie sind die Parade-Kapitalist*innen schlecht hin. Durch Ausbeutung und Missachtung von Menschenwürde können sie eben billiger und effektiver arbeiten als andere Konkurrent*innen.

Und für all dieses bekommen Caritas und Diakonie jedes Jahr fast 50 Milliarden Euro vom Staat. Natürlich für Aufgaben, die sonst der Staat übernehmen müsste.

Mission mit staatlichem Geld

Wenn das noch nicht genug wäre, dürfen sie in ihren Einrichtungen auch noch missionieren. Christliche Schulen sind zwar nicht staatlich, aber sie werden mit über 90 Prozent vom Staat finanziert. Dafür darf dort christlich indoktriniert werden. Glücklicherweise passiert das nur selten, aber möglich ist es. Ebenso in Kindergärten oder Behinderteneinrichtungen. Auch wenn es eher selten vorkommt, gab es auch immer wieder Fälle, in denen Kindern Essen verweigert wurde, wenn sie nicht vorher beten. Das ist praktizierte Nächstenliebe.

Die größte Verbrecherorganisation der Geschichte

Die Kirchen bekommen nun Geld vom Staat, der er sie vor gut 200 Jahren enteignete. Doch wie entstand der Reichtum der Kirche, der zur Enteignung erst führen konnte? Ganz einfach, durch Verbrechen: Ablasshandel, Folter, Mord, auch mal Massenmord, Enteignung von ihren eigenen Folter- und Mordopfern, Prostitution, Raub, Glücksspiel, Sklaverei. Die Liste ließe sich bestimmt weiterführen. Man stelle sich vor, der italienische Staat hätte die Macht, die Mafia zu enteignen. Die meisten Besitztümer würden ihr weggenommen, viel Geld verstaatlicht. Alles aus Verbrechen entstanden. Aber anstatt die Mafiosi ins Gefängnis zu stecken, verspricht der Staat ihnen bis in alle Ewigkeit jedes Jahr Millionen über Millionen zu schenken. Das wäre vielleicht vergleichbar, nur dass die Kirchen natürlich viel mehr Opfer auf dem Gewissen haben, als alle Mafiabanden zusammen.

Religion muss endlich Privatsache werden

Wir brauchen endlich eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Die Allgemeinheit sollte keinen Cent mehr an die Kirchen zahlen müssen. Außerdem sollte es Kirchen verboten werden eigene Schulen und Kindertageseinrichtungen zu betreiben. Eltern können ihre Kinder auch zuhause religiös indoktrinieren, dazu braucht es keine zusätzlichen Einrichtungen. Eigentlich müsste die Kirche auf ein Neues enteignet werden. Da ihr ganzer Reichtum durch Verbrechen entstanden ist. Das ganze Geld könnte endlich für sinnvolle Dinge ausgegeben werden. Die vielen Milliarden könnten in Schulen, Kitas, Unis, soziale Sicherung, Gesundheit und Pflege gesteckt werden und in menschenwürdige Arbeit. Aber ich befürchte, dass die Bundesrepublik weiterhin ein Gottesstaat bleiben wird. Das Mittelalter ist noch lange nicht vorbei.

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