Für Freiheit, Liebe und Kommunismus

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Manchmal frage ich mich, was die ganze menschliche Existenz überhaupt soll. Es gibt so viel Leid, Unterdrückung und Gewalt. Das Ganze ist einfach unerträglich. Jeden Tag verhungern ungefähr 100.000 Menschen auf diesem Planeten. Und das ist ja „nur“ die Spitze des Eisberges. Millionen von menschlichen Wesen werden unterdrückt, vertrieben, gefoltert und ermordet. Wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder Identität, wegen ihrer Hautfarbe usw. usf. Menschen finden immer einen Grund, meist ein Merkmal, das von niemanden selbst gewählt wurde, um zu hassen, zu verletzen oder zu töten. Es scheint tief im Menschen verankert zu sein, zu zerstören, Leben zu vernichten.

Dabei streben alle Menschen nach Freiheit, nach der Entfaltung des eigenen Ichs, der Liebe zu sich selbst, der Selbstbefreiung des Individuums. Das ist der Traum aller Menschen, zumindest ist es meiner. Simone de Beauvoir hat es einmal sehr schon ausgedrückt: „I wish that every human life might be pure transparent freedom.“ Alle Menschen kennen Glück und – zumindest – Momente der Freiheit. Das Lächeln eines Kindes, ein Schmetterling, der über ein Feld in den Sonnenuntergang fliegt. Den Geruch von Gras. Die Frischheit eines Schluckes Wassers. Das sind Momente der Sinnlichkeit, Momente der Freiheit. Egal, ob mensch in Unterdrückung lebt oder nicht. In Freiheit oder in Sklaverei. Menschen haben das Recht, in ständiger Freiheit zu leben, frei von Unterdrückung, frei von Gewalt und jede Form der Unterdrückung ist eine Form von Gewalt.

Jeder Mensch träumt diesen Traum und jeder versucht ihn zu verwirklichen. Dabei greifen Menschen leider häufig zu Mitteln, die andere Menschen in Unfreiheit versetzen oder festsetzen. Menschen, die verdursten oder Hunger leiden, können nicht frei sein. Sie sind brutalster Gewalt ausgesetzt. Gewalt durch andere Menschen, Gewalt durch uns. Obwohl wir die Freiheit lieben, lieben wir die Freiheit von uns selbst eben mehr, als die von anderen Individuen. Doch wir verwechseln dabei wahre Freiheit mit Komfort. Natürlich ist es komfortabel, mit dem Auto 50 Meter zum Bäcker zu fahren, natürlich ist es sehr schön, aus 75 verschiedenen Müslisorten auszuwählen. Doch das hat alles nichts mit Freiheit zu tun, mit der Emanzipation des Individuums oder gar einer wahrlich befreiten Gesellschaft. Das ist einfach nur Bequemlichkeit innerhalb des Kapitalismus. Nicht mehr. Für all das nehmen wir in Kauf, dass andere Menschen unvorstellbares Leid erfahren, meist auf der anderen Seite der Welt. Für diese „Freiheit“ des Komforts führen wir Kriege um Ressourcen und lassen Menschen verhungern. Und damit niemand diese Bequemlichkeit auch nur ansatzweise gefährdet, ziehen wir die Grenzen hoch. Wir schließen die „halbe Welt“ einfach aus. Davon, auch in einer einigermaßen freien Gesellschaft zu leben. Wenn sie es trotz großer Abwehrkämpfe unsererseits einmal schaffen, zu uns zu gelangen, bekämpfen wir sie solange, bis sie „freiwillig“ wieder gehen oder wir schieben sie ab. Uns ist unsere vermeintliche Freiheit eben wichtiger, als die Freiheit anderer Menschen.

Ist die Selbstliebe zu groß? Nein! Sie ist zu klein. Denn wenn ein Mensch sich wirklich selbst liebt, uneingeschränkt und aus vollem Herzen, dann muss er auch alle anderen Menschen lieben. Jedes einzelne Individuum. Es geht also nicht um ein Übermaß an Liebe, sondern um einen Mangel daran.

Wir müssen beginnen, die persönliche Bequemlichkeit gegen echte Freiheit einzutauschen. Wir müssen anfangen, die Freiheit zu lieben, so sehr, dass wir wollen, dass alle Menschen frei sein können. Wir müssen Freiheit zur Begründung unserer Existenz ansehen. Auch hier hat es Simone de Beauvoir wundervoll ausgedrückt: „Freedom is the source from which all significations and all values spring. It is the original condition of all justification of existence.”

Und die größte Möglichkeit der Freiheit ist die Liebe, die Liebe zu allen Menschen, die Freundschaft, die körperliche Liebe und die Liebe zu sich selbst. Eine Gesellschaft kann nur frei sein, wenn sie Liebe nicht einschränkt, alle Formen der Liebe sind richtig, weil Liebe richtig ist. Ich meine natürlich freiwillige Liebe und keine weitere Art der Unterdrück, nur um Missverständnissen vorzubeugen.

Weil wir alle Menschen lieben, müssen wir für ihre Freiheit kämpfen, damit kämpfen wir auch für unsere Freiheit. Doch Staaten, Nationen und der Kapitalismus negieren diese Freiheit. Deswegen müssen wir sie überwinden, abschaffen und einreißen. Doch fangen wir kleiner an.

Der Hunger auf diesem Planeten könnte von heute auf morgen beendet werden, ohne dass wir unseren Wohlstand merklich einschränken müssten. Dies ist selbst im Kapitalismus möglich. Doch der Nationalismus und der Mangel an Liebe verhindern dies noch.

Eine wirklich freie Welt kann ich mir nur vorstellen ohne Nationen, Staaten und Kapitalismus, vielleicht liegt das an meiner mangelnden Phantasie, aber angeblich habe ich recht viel davon. Viele Menschen haben davon geträumt, von einer befreiten Gesellschaft, sie nannten diese Form des Zusammenlebens Kommunismus. Eine freie Welt, in der alle Menschen gleich sind und deswegen in Frieden leben können. Ein „Paradies auf Erden“, in dem wir Hand in Hand über grüne Hügel hüpfen, in einer Welt voller Regenbögen und freier Liebe. Ohne Leid und voller Reichtum. Aber ich werde wieder viel zu kitschig.

Freiheit und Gleichheit können nicht gegeneinander ausgespielt werden, denn sie bedingen einander. Ohne Freiheit ist Gleichheit nur Tyrannei und Diktatur und ohne Gleichheit ist Freiheit Barbarei und Gewalt.

Derzeit kann sich eine solche Welt, frei von jeglicher Unterdrückung, wohl nur die radikale, emanzipatorische Linke vorstellen. Zumindest ist sie es, die dafür Tag ein, Tag aus kämpft. Wir benötigen eine weltweite radikale Linke, die gegen Unterdrückung kämpft. Mit den Mitteln der Liebe und Freiheit. Auch ich möchte weiterhin mein Möglichstes tun, um für eine Welt freier und gleicher Individuen zu kämpfen. Links, radikal und für mehr Regenbögen!

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Ein Gedanke zu “Für Freiheit, Liebe und Kommunismus”

  1. 1) Und was machst du wenn Menschen dieses Prinzip westlicher/existenzialistischer Freiheit nicht wollen? Wenn sie lieber eine „Harmonische Gesellschaft“ wollen? Wenn sie lieber ihren Kopf beugen wollen vor Gott/einem Führer? Wenn sie einen klaren Verhaltenskodex und starre eindeutige Regeln wollen?
    Die Menschheit besteht nicht nur aus Karstens. Ist es nicht arrogant anzunehmen, dass sie es tut?
    Das einzige auf was sich die Welt gerade eingermaßen einigen kann ist das Streben nach Reichtum. Die „Freiheit des Komforts“ wie du sie nennst.
    Du willst für die Freiheit aller kämpfen? Aller, die vor allen die Freiheit des Komforts interessiert? Wie viele Leben bist du bereit dafür zu opfern? Wie viel Blut ist die Freiheit wert? Ist die Freiheit das Leben einer Person wert? Die von 100, 1000. 10 000, 1 000 000? Denn eins hat uns die Geschichte gelehrt. Freiheit ist ein teuer erkauftes Gut. Mit Blut wird und wurde es bezahlt. Dazu ist sie ein Luxusobjekt.

    Du behauptest, alle Menschen streben nach deinem Begriff von Freiheit. Ich behaupte: Die meisten/nahezu alle Menschen ziehen andere Bedürfnisse vor wenn sie wählen müssen. Ernährung, Leben, Familie, Sicherheit…etc. Und sie werden wählen müssen, wenn du ihnen die „Freiheit“ bringen willst.
    —> Maslowsche Bedürfnishirarchie. Die Selbstverwirklichung die für dich wohl das wesentliche Merkmal von Freiheit ist? steht dort an letzter Stelle.

    2)Ansonsten sind deine 100k Hungertoten am Tag um ein vielfaches höher von allem was ich bisher vernommen habe von UNICEF, World Food Programm…etc..
    3)Der Nationalismus verhindert nicht den Sieg über den Hungers auf der Welt, nein, er sorgt vor allen dafür, dass Hunger in einer begrenzten Zone, der Nation, bekämpft wird.
    Menschen helfen vor allen denen die ihnen durch ein in irgendeiner Art Konstrukt/Verbindung Nahe sind.
    Wenn sie ihnen nicht Nahe sind, nimmt die Bereitschaft zur Hilfe rapide ab. Nationalstaaten verschaffen Nähe innerhalb der Nation. Ohne deren Existenz nimmt die Hilfsbereitschaft in die Ferne aber nicht automatisch zu.
    Mehrere dieser Konstrukte/Identitäten schließen sich zudem auch nicht automatisch aus.
    Ein Mensch kann Bochumer/Deutscher/Europäer/Erdling/Mensch sein.
    Es gilt die übergeordnete Idee zu stärken. Nicht untergeordnete abzuschaffen um Empathie für die Hungernden auf der Welt zu wecken.

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