Das Problem heißt Männlichkeit

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Seit den schrecklichen Vorkommnissen zu Silvester in Köln, sprechen sehr viele Menschen über Sexismus. Oder, um ehrlich zu sein, über den Sexismus angeblich zivilisatorisch zurückgebliebener junger Männer* aus nordafrikanischen Ländern. Dabei übersehen viele Menschen, besonders weiße Männer*, dass Sexismus und sexualisierte Gewalt der Alltag in allen Ländern auf diesem Planeten ist. Das Problem heißt weder kulturelle Prägung, Nationalität oder gar Religion, zumindest nicht das wichtigste Problem. Das größte Problem hieß und heißt noch heute: Männlichkeit!

Das Konstrukt Männlichkeit

Geschlechter sind konstruiert und reproduzieren sich gesellschaftlich, kulturell und politisch. Über 90 Prozent aller Straftaten werden von Männern* begangen. Diese einfache Tatsache sagt viel mehr aus, als eine Aufteilung von Straftaten auf Nationalitäten, Religionen oder einem Migrationshintergrund. Überall auf dieser Welt ist es das gleiche. Physische Gewalt geht fast ausschließlich von Männern* aus. Die Diskussion über die Einstufung von angeblich sicheren Herkunftsstaaten zeigt nun die ganze Perfidie. Aufgrund der aufgeheizten Stimmung seit Köln, sollen nun die Staaten als sicher erklärt werden, aus denen (nach Berichten) viele der jungen Männer kamen, die zu Silvester öffentliche sexualisierte Gewalt gegen Frauen ausgeübt haben. Dies ist die übelste Form von Sippenhaft. Wenn schon eine Sippenhaft auch nur einen Funken von Sinn ergeben würde, dann müssten alle Männer* eingesperrt werden. Wie verrückt diese Idee auch klingen mag, es würde dazu führen, dass es fast keine Gewalt mehr (außerhalb von Gefängnissen) geben würde.

Gewalt geht von Männern* aus

40 Prozent aller Frauen* in der Bundesrepublik haben schon mindestens einmal in ihrem Leben (sexualisierte) Gewalt erlebt. In den meisten Fällen durch (Ex-)partner*. Bis 1997 war dies nicht einmal strafbar. Das gesellschaftliche Konstrukt der Partnerschaft ging und geht auch heute noch häufig davon aus, dass die Frau* immer sexuell verfügbar sein muss. Selbst die Vergewaltigung der Partnerin* war erlaubt. Es gibt anonymisierte Befragungen, in denen Männer* in etwa 30 Prozent der Fälle angeben, dass sie eine Frau* vergewaltigen würden, wenn es für sie keine Konsequenzen hätte. Diese Zahl ist erschreckend genug. Jedoch ist zu erwarten, dass dies in der Realität sogar eine noch höhere Zahl ist. Denn sozial erwünscht sind Vergewaltigungen glücklicherweise nicht und Menschen antworten sehr häufig eher das, was sozial erwünscht ist.

Rassismus gegen Sexismus?

Weiße deutsche Männer* möchten nun unter dem Vorwand des Antisexismus ihrem Rassismus freien Lauf lassen. Rechte Typen, die den Alltagssexismus wahlweise geil oder zumindest nicht so schlimm finden. Deutsche Männer*, die die größte Gefahr für Frauen* in diesem Land sind, schwingen sich zu Antisexisten* auf. Konservative Politiker*innen fordern harte Gesetze gegen Ausländer*, die sexualisierte Gewalt ausüben. Plötzlich sind ihnen Sexismus, Homo- und Transphobie wichtig. Gegen die Gleichstellung aller Menschen sind sie weiterhin. Es geht diesen Menschen ausschließlich um ihren eigenen Rassismus, nichts weiter. Deswegen dürfen sich Feminist*innen niemals gemein mit diesen Leuten machen. Die patriarchalen Strukturen in diesem Land und auf der ganzen Welt müssen endlich bekämpft werden. Das bedeutet einen Kampf gegen die Männlichkeit! Doch, wie ist das nur möglich?

Smash Maleness!

Warum sind Männer* nur so, wie sie sind? Geschlechter sind soziale Konstrukte, also können sie auch dekonstruiert werden. Es gibt natürlich auch biologische Unterschiede, diese sind aber nicht überzubewerten. Der Hauptteil der Unterschiede entsteht durch die Sozialisation, bereits pränatal. Die Erziehung von Jungs* und Mädchen* ist leider noch immer sehr unterschiedlich. Selbst wenn Eltern sich große Mühe geben, geschlechtsneutral zu erziehen, verstärkt die Gesellschaft die sozial konstruierten Unterschiede immer weiter. Sexistische Werbung und Rape Culture sind nur die Spitze des Eisberges. Wir müssen sexistische Strukturen immer und überall durchbrechen. In der Sprache, der Politik, der Arbeitswelt, der Erziehung und insbesondere in unseren sexuellen Beziehungen. Wir müssen das Konstrukt Männlichkeit endlich zerstören. Dies ist ein bereits langer Kampf von vielen, vielen Feminist*innen, ob sie sich nun so nennen oder nicht. Doch dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei!

 

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